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Essential Tango Knowledge

Francisco Canaro („El Pirincho“) 1888-1964

Francisco Canaro war nicht nur König des Tango, mit seinem zweiten Spitznamen „El Kayser“ wurde er der Kaiser des Tango genannt. Warum ? Hören wir uns seine großen Tangos an und schauen wir auf seine Biografie.

Canaro, wurde geboren 1888 in San Jose de Mayo (Uruguay) als Kind Italienischer Einwanderer mit dem Namen “Canarozzo” [3]. Seinen Spitznamen “Pirincho” erhielt er, als seine Hebame während der Geburt seine Haare sah und an den Schopf eines Haubenvogels “Pirincho” erinnert war [1, 8].

Canaro begann seine musikalische Karriere direkt, nachdem er im Alter von 10 Jahren nach Buenos Aires auswanderte, wo er und seine Familie in einem Conventillo (Mietshaus) in bitterster Armut leben mussten. Francisco arbeitete als Zeitungsausträger und Anstreicher [8, 9]. Interessanterweise dauerte es bis 1944 bis er die Argentinische Staatsbürgerschaft annahm. Die Geschichte, dass er seine erste Geige aus einer alten Öldose gebastelt hatte kann man glauben oder nicht. Genausogut kann man glauben oder nicht, dass er sich das Geigenspiel selbst beigebracht hatte. Sicher ist, dass er keine klassische Musikausbildung genossen hat, sondern stets mehr Organisator, Unternehmensleiter und Orchesterleiter war. 1900 spielte er bereits in einem Instrumentaltrio [2]. Entsprechend seinen Memoiren, war der erste Tango den er spielte El Llorón [8]. Dort erzählt er auch die Geschichte, dass er fast von Kugeln durchbohrt wurde, als er 1906 mit zwei Freunden in einer kleinen Stadt in der Provinz Buenos Aires auftrat [9].

Letztendlich lernte er das Tangogeschäft zusammen mit seinem Nachbarn, dem Bandoneonisten Vincente Greco [3], mit dem er seine professionelle Tango Karriere begann [8]. In 1912 komponierte er seine ersten Tangos “Pinta brava” und “Matasanos” und es folgten (je nach Zählung) ca. 700 Kompositionen und ca. 3800 aufgenommene Tangos [5] bis er im Jahre 1964 an Morbus Paget starb [1, 2]. Er publizierte seine Memoiren in 1956 („Mis 50 anos con el Tango“) [8].

 

Weil Canaro seine Karriere sehr früh startete, wird er oft in die Epoche der „Guardia vieja“ (alte Garde) klassifiziert, was nur die halbe Wahrheit ist. Canaros Musikalisches Werk überspannt alle Perioden bis nach der Epoca de Oro (EDO). Während dieser Entwicklung hat Canaro sich stets wie ein Chamäleon an die Moden und den Zeitgeist angepasst. Selbst, Ihn als Orchesterleiter der EDO zu klassifizieren ist wahrscheinlich nicht vollständig korrekt.

Canaro war stets unglaublich erfolgreich (abgesehen von seiner Episode in die Filmindustrie) und in Folge dessen wurde er unglaublich reich indem er seinen Familienbetrieb zusammen mit seinen Brüdern ausbaute. Dies brachte ihm seinen zweiten Spitznamen („El Kayser“) ein und verankerte das geflügelte Wort „reich wie Canaro“ in die Sprache der Argentinier. Sein erstes Orchester gründete er 1916 mit dem Pianisten Jose Martinez (Orquesta Canaro-Martinez), welches 1917 mit dem Orchester des von ihm sehr geschätzten (weil er stets dessen musikalischen Sachverstand bewunderte) Vollblutmusikers Roberto Firpo verschmolz. Bis 1918 hatte er schon 4 Orchester zusammen mit seinen Brüdern, die regelmäßig in den Cabarets von Buenos Aires spielten [9].

Sein erstes großes Orchester (ausschließlich mit seinem Namen) wurde 1925 gegründet [3]. 1932 gründete er zusätzlich ein Quintet (Quinteto Don Pancho, sein Spitzname in Spanien) und später (1940) das Quinteto Pirincho, unter seinem ersten Spitznamen. Die Quintetos spielten wie die Hausorchester der großen Labels nie in der Öffentlichkeit, sondern nur für Aufnahmen [7], und sie koexistierten mit den größeren Orchestern die von ihm und seinen Brüdern geleitet wurden.

Da er Geld mit Musik verdiente, kämpfte er schon seit 1918 für das Urheberrecht und schließlich gründete er die Argentinische Vereinigung der Autoren und Komponisten (SADAIC= Sociedad Argentina de Autores y Compositores de Musica) in 1935 [3].

Als Tango Tänzer fragen wir zuallererst nach dem Klang seines Orchesters. Canaro spielte stets vornehmlich für die Tänzer. Seine Tangos haben einen weichen und gut vernehmbaren Rhythmus, sein Repertoir weist aber auch romantisch-melodische Tangos auf, vor allem dominiert durch seine Sänger.

Canaro hat viele interpretationspraktiken verändert. Auf ihn geht der Wechsel vom 2/4 Takt zum 4/4 Takt zurück, was den Tango mehr betont und unabhängig vom Habanera Rhythmus machte. Weiterhin geht auf seine Innovation das Format des Sexteto tipico zurück. Canaro erfand es, als er 1916 ein Orchester zusammenstellte für den Karneval in Rosario [4], als das Klavier bereits von Firpo in die Tango Orchester integriert war. Canaro besetzte hier zwei Bandoneons und zwei Violinen um diese Blöcke mit der Lautstärke des Klaviers zu balancieren. Später fügte er den Bass hinzu um das Sexteto Tipico zu komplettieren. Hier griff er auf Leopoldo Thompson (eigentlich ein Jazz Musiker) zurück, der bereits in anderen Formationen Tango Musik gemacht hatte.

In 1925 besuchte er Paris (mitten während der zweiten Tango Welle „Tangomania“) mit einem Trio zusammengesetzt aus ihm und seinen Brüdern, wo er wiederum sein Gespür für kommerziellen Erfolg bewies. Zurück in Argentinien eroberte er das Radio, welches sich gerade entwickelte und stellte sicher, dass er einer der großen Musikstars wurde [8].

 

 

Nach einigem Erfolg mit Musicals, he had some severe financial drawbacks, when entering the film business with a company „Rio de la Plata“, he founded in 1934 [9].

Canaro hatte Tango Sänger seit 1924 im Orchester integriert, meist als Estribillistas (d.H. die Sänger singen nur den Refrain). Sein erster Sänmger war Roberto Diaz, einige der bekannteren Sänger werden weiter unten exemplarisch zitiert:

-Roberto Diaz

 

-Ernesto Fama

– Roberto Maida

 

-Enrique Rondo

-Francisco Amor

-Carlos Roldan

 

Canaro spielte auch mit Sängerinnen. Die bekanntesten waren Azucena Maizani, die er auch entdeckte [3]:

und Ada Falcon, mit der er seit etwas 1929 bis 1938 eine Affäre hatte [6]:

Ein weiterer sehr bekannter Vals ist auch eine Komposition von Canaro (hier mit Libertad Lamarque):

 

Eines der berühmtesten Lieder für Sängerinnen („Se dice de mi“) war auch Canaros Komposition, hier gesungen von Tita Merello:

Der wahrscheinlich meistgespielte Tango von Canaro ist der Hit Poema gesungen von Roberto Maida. Es wird allgemein vermutet, dass er in Milongas viel zu häufig gespielt wird, aber er wird auch sehr häufig nachgefragt. Er ist insofern besonders, weil er zu den romantisch-melodischen Stücken gehört und es wegen der Stimme von Maida auch schwer ist, geeignete Stücke zu einer Tanda zu konstruieren.

Canaro wird immer als der Orchesterleiter in Erinnerung bleiben, der für die Tänzer gespielt hat und sich stets auf deren Anforderungen und die aktuelle Mode eingelassen hat. Man kann argumentieren, dass die rhythmische und musikalische Einfachheit seiner Stücke Produkt seiner musikalischen Mittelmäßigkeit ist. Es kann aber genauso sein, dass dies ein kalkulierter Stil war, der auf die Tänzer und einfachen Leute abzielte, die immer seine Zielgruppe waren.

Selbst in heutigen Milongas wird seine Musik meistens für Anfänger gespielt und seltener (mit den melodisch komplexeren Stücken) für fortgeschrittene Tänzer.

Abrazos,

 

-DJ Ricardo

 

1. http://es.wikipedia.org/wiki/Francisco_Canaro

2. http://en.wikipedia.org/wiki/Francisco_Canaro

3. http://de.wikipedia.org/wiki/Francisco_Canaro

4. Birkenstock, A and Rüegg, H.: Tango. DTV, 2001.

5. https://sites.google.com/site/franciscocanarodiscography/

6. http://en.wikipedia.org/wiki/Ada_Falc%C3%B3n

7. http://humilitan.blogspot.com.au/2014_05_01_archive.html

8. http://www.todotango.com/english/creadores/fcanaro.html

9. Reichardt, D: Tango. Suhrkamp, 1984.

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