The educated Tanguero

Essential Tango Knowledge

Tango DJing 3.2: Die großen Tango Orchester der EDO

| Keine Kommentare

Wie bereits bemerkt wurde sind die großen Orchester der EDO in Bezug auf die Tanzbarkeit die verlässlichsten. Entsprechend einer Analyse von Steve Morell [1], liegt die Kernzeit der EDO von etwa 1940 bis 1955, in der die meisten dieser Orchester gleichzeitig spielten und aufnahmen. Die Orchester wurden zumeist nach ihrem Orchesterleiter benannt, welcher auch die Arrangements schrieb. Die 15 bekanntesten Orchester stehen in dieser (alfabetisch sortierten) Tabelle, welche Namen, Lebensdaten und gespieltes Instrument der Orchesterleiter angibt:

Rodolfo Biagi (1906-1969) Piano

Miguel Calo (1907-1972) Bandoneon

Francisco Canaro (1888-1964) Violine

Julio De Caro (1899-1980) Violine

Alfredo De Angelis (1912-1992) Bandoneon, Piano

Lucio Demare (1906-1974) Piano

Carlos Di Sarli (1903-1960) Piano

Angel D´Agostino (1900-1991) Piano

Juan D´Arienzo (1900-1976) Violine

Osvaldo Fresedo (1897-1984) Bandoneon

Pedro Laurenz (1902-1972) Bandoneon

Osvaldo Pugliese (1905-1995) Piano

Enrique Rodriguez (1901-1971) Bandoneon

Annibal Troilo (1914-1975) Bandoneon

Ricardo Tanturi (1905-1973) Piano, Violine

 

Für den Tango DJ ist aber eine solche historisch orientierte Tabelle nur von begrenztem Wert. DJs wollen Musik mit guter Tanzbarkeit und einer guten Adaptation an die Situation auf der Tanzfläche. Gleichzeitig sollen aber die Musikstücke in ihrem Charakter klassifizierbar sein, um diesen als gestalterisches Mittel einsetzen zu können.

Der Charakter ist also ein bedeutendes Auswahlkriterium, welches in Eigenschaften wie Rhythmus, emotionale Stimmung, musikalischer und tänzerischer Schwierigkeitsgrad, Energiegehalt und dem generellen Stil gemessen werden kann. Ich nenne dies den Charakter (engl. flavour). Eine gute Methode für die Klassifikation gibt Stephen Brown  in seiner Auflistung „annotated list of tandas“ [2]. Für den täglichen Gebrauch habe ich sein System auf vier Charaktere reduziert:

Weicher Rhythmus

Harter Rhythmus

Melodisch, Lyrisch (=Romantisch)

Dramatisch

Es ist mir klar, dass es schwierig ist, ein Tango Orchester in ein solches Schema zu pressen,einzelne Orchester müssten eigentlich in mehreren Kategorien auftauchen, was ich hier der Übersichtlichkeit halber vermieden habe. Hier also eine (zugegeben sehr grobe) Liste der 15 genannten Orchester mit einer Zuordnung in ihren üblichen Charakter:

 

  1. Weicher Rhythmus

Typische Rhythmik ohne harte Staccato Noten, aber mit unterschiedlichem Grad an Synkopierung und musikalischer Komplexität:

De Caro, Tanturi, D´Agostino, Calo, Laurenz

 

  1. Harter Rhythmus

Harte beats mit extremen Staccato Passagen, teilweise sehr schnell:

Rodriguez, Biagi, D´Arienzo

 

  1. Melodisch, Lyrisch

Musik, reich an Harmonie, sanften Legato Phrasen, betonten Contrecanti und romantisch emotionaler Anmutung:

Demare, Troilo, Fresedo, Canaro, Di Sarli

 

  1. Dramatisch

Hoher Energiegehalt, hohe Dynamik:

De Angelis, Pugliese

 

Für den DJ ist es wichtig, den Charakter der Musikstücke innerhalb der Tandas gleich zu halten und mit den Tandas eine Progression im Rahmen einer generellen musikalischen Strategie im Einklang mit den Gegebenheiten auf der Tanzfläche zu erzeugen. Wenn hierfür eine feinere Differenzierung des Charakters nötig ist, kann man als weitere Dimension den Sänger hinzuziehen (sofern vorhanden). Die meisten Orchester in der EDO haben mit Sängern (oder Sängerinnen) gespielt, zumeist als Estribillistas, d.h. sie haben nur einen kleineren Teil des Stückes gesungen, teilweise nur den Refrain oder einzelne Strophen, um dem Orchester mehr Gewicht zu verleihen. Trotzdem haben sie damit den Charakter der Musikstücke beeinflusst. Manche von ihnen haben diesen so signifikant gestaltet, dass eine komplett neue Kategorie entstanden ist (z.b. Di Sarli mit Roberto Rufino versus Di Sarli mit Alberto Podesta). Deshalb gibt es die allgemeine Regel, dass der Sänger innerhalb einer Tanda nicht wechseln sollte.

Hier eine Liste der (hauptsächlichen) Sänger für ein paar der grossen Orchester (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

 

Rodolfo Biagi: Andres Falgas, Jorge Ortiz, Alberto Amor, Hugo Duval

Miguel Calo: Raul Beron, Alberto Podesta, Raul Iriarte

Francisco Canaro: Ernesto Fama, Francisco Amor, Roberto Maida

Juan D´Arienzo: Alberto Echagüe, Hector Maure, Mario Bustos, Alberto Reynal, Jorge Valdez

Alfredo De Angelis: Carlos Dante, Julio Martel, Floreal Ruiz, Oscar Larroca

Lucio Demare: Raul Beron, Horacio Quintana, Juan Carlos Miranda

Carlos Di Sarli: Roberto Rufino, Jorge Duran, Alberto Podesta, Oscar Serpa, Mario Pomar

Osvaldo Fresedo: Roberto Ray, Floreal Ruiz, Oscar Serpa

Osvaldo Pugliese: Alberto Moran, Roberto Chanel, Jorge Maciel

Enrique Rodriguez: Armando Moreno, Roberto Flores

Ricardo Tanturi: Alberto Castillo, Enrique Campos

Anibal Troilo: Francisco Fiorentino, Alberto Marino, Floreal Ruiz, Roberto Goyeneche

 

All diese Kombinationen ergeben eine umfangreiche Palette aus einzelnen musikalischen Charaktern für die Milonga. Rechnet man nur die oben genannten 15 Orchester mit durchschnittlich 3 verschiedenen Sängern und zusätzlich noch rein instrumental, so kommt man auf fast 60 Charakter die selbst in einer umfangreichen Milonga kaum alle zu spielen sind. Der DJ hat also einen umfangreichen Gestaltungsspielraum, selbst wenn er sich auf die Kernzeit der EDO beschränken will.

Abrazos,

 

-Richard (DJ Ricardo)

 

1             http://www.tango.uk.com/orchestras.htm

2             http://www.tejastango.com/tandas.html

Schreibe einen Kommentar