The educated Tanguero

Essential Tango Knowledge

Roberto Firpo

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Die ersten Tango Musiker zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Amateurmusiker ohne musikalische Ausbildung (darunter Vincente Greco, Juan Maglio, Eduardo Arolas oder Angel Gregorio Villoldo), spielten teilweise in der Tradition der Payadores, der Argentinischen Wandermusiker. Unter anderem integrierten sie rustikale Rhythmen wie Milonga oder Candombe und andere creolische Elemente in den jungen Tango und gründeten die ersten Orchester. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es noch keine Tango Orchester, also mussten die charakteristischen Instrumente erst gefunden und die Interpretationstechniken erst entwickelt werden. Diese frühen Tangomusiker werden unter dem Begriff „guardia vieja“ (alte Garde) zusammengefasst. Die ersten Orchester spielten eine signifikante Rolle bei der Entwicklung der musikalischen Hilfsmittel und Aufführungsstrukturen um den Charakter des Tangos zu formen. Im historischen Kontext endete diese Zeit ca. 1925 und mündet in eine Übergangszeit hinein, in welcher die Orchester sich zu ihrer endgültigen Form der EDO um 1940 hin entwickelten.

Ein besonderer Musiker war in diesem Kontext sehr bekannt und wichtig: Roberto Firpo, der am 10.5.1884 in Las Flores (Provinz Buenos Aires) geboren wurde. In dieser frühen Zeit des Tango gab es noch kein Radio und nur sehr spärliche Phonografenzylinder. Tangomusik wurde überwiegend als Klaviernoten veröffentlicht, obwohl das Klavier nicht als typisches Tango Instrument galt. Einerseits war es nicht transportabel, andererseits konnten sich nur die wohlhabenderen Lokationen ein Klavier leisten. Roberto hat wahrscheinlich diese Klaviermusik während seiner Kindheit in Las Flores und später in Bahia Blanca und Buenos Aires gehört und den unbändigen Wunsch entwickelt, Klavier zu erlernen. Im Alter von 19 Jahren, war es dann soweit, Roberto hatte sich das Geld für ein Klavier hart erarbeitet und erwarb sein erstes Klavier, eine Handlung die er später wie folgt kommentierte: „Der glücklichste Tag meines Lebens kostete mich 200 Pesos“ [1]. Unterricht in Klavier und Komposition mit Alfredo Bevilacqua, einem damals bekannten Komponisten bereiteten Roberto für den Beginn seiner musikalischen Karriere als Komponist und Musiker 4 Jahre später (in 1907) vor [2]. Hiermit war Roberto Firpo der erste Tango Musiker mit einer formalen Ausbildung an seinem Instrument und in klassischer Komposition.

Sein erstes Trio bildete er mit Francisco Postiglione (Violine) und Juan Carlos Bazan (Klarinette) [5]. In 1913 bildete er ein größeres Orchester und begann ein Jahr später für „Nacional Odeon“ aufzunehmen. Firpo verwendete das Format des Orquesta tipica criolla (2 Violinen, 2 Bandoneons, Flöte, Gitarre), welches von Vincente Greco erfunden war, ersetzte die Gitarre aber mit seinem Klavier. Viele berühmte Musiker starteten in seinem Orchester, darunter Eduardo Arolas, Osvaldo Fresedo, Pedro Maffia, Elvino Vardaro, Juan Deambroggio und sogar Francisco Canaro [3].

In 1914 komponierte er einen seiner bekanntesten Tangos „Alma de bohemia“ welcher einen mehr lyrisch romantischen Stil als damals noch komplett neues Element in den Tango einführte [2].

 

 

Abgesehen von seiner Adaption der „La Cumparsita“ [3], ist ein anderer Tango „El Amanecer“ sehr bekannt für welchen die Violine lautmalerisch zur akustischen Darstellung von Feuerwerk, Vögeln und anderen Tieren verwendet wird. Im Film „Tango“ von 1933 werden er und sein Orchester gezeigt, wie sie „El Amanecer“ spielen.

 

 

 

Mit der Einführung des Klaviers hat Firpo den Klang der Tango Orchester signifikant verändert, hauptsächlich weil die Basslinie des Klaviers eine bessere harmonische Grundlage ermöglichte und weil das Klavier als Rhythmusinstrument dienen konnte, welches lauter als die eher leise Gitarre ist. Damit konnte das Orchester auch größere Säle akustisch präsenter ausfüllen.

Roberto Firpo hatte eine lange aktive Karriere, er nahm auf bis 1959, also bis über das Ende der EDO hinaus, abgesehen von einer kurzen erfolglosen Periode in der er sich als Rinderzüchter versuchte und damit sein gesamtes Vermögen verlor [3]. Leider konnte er seinen Interpretationsstil nicht weiterentwickeln und erreichte nie das Niveau der großen EDO-Orchester, er blieb zeitlebens beim Sound der späten Guardia Vieja und der Übergangsperiode.

Roberto Firpo verstarb am 14.6.1969 und hinterließ ein riesiges Vermächtnis von etwa 200 Kompositionen und ca. 3000 Aufnahmen [5].

Zum Abschluss hier nur noch einige der anderen bekannten Kompositionen von Roberto Firpo:

 

 

Viel Spass,

 

-Richard (DJ Ricardo)

 

 

1 http://www.todotango.com/english/artists/biography/37/Roberto-Firpo/

2 http://www.totaltango.com/acatalog/tango_more_about_firpo_93.html

3 https://en.wikipedia.org/wiki/Roberto_Firpo

4 http://tango.5toll.com/en/2014/03/08/la-cumparsita/

5 https://es.wikipedia.org/wiki/Roberto_Firpo

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