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Digitale Signalkette

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Letztes Jahr hat Firma Pioneer es endlich geschafft, einen stabil arbeitenden Treiber für die Kopplung eines Windows-Notebooks mit ihren profesionellen DJ-Mischpulten zu veröffentlichen. praktisch zeitgleich wurden diese auch von Firma Native Instruments für die DJ-Software Traktor Pro 2.0 (Version 2.11) vollständig zertifiziert, so dass nun endlich die Zusammenarbeit funktionieren dürfte.
Was ist an dieser Nachricht nun so interessant insbesondere für die Tango Szene?
Für einen „normalen“ DJ in der Clubszene gehört eine Ausstattung mit Pioneer 4-Kanal Mischpulten und CD-Playern zum absoluten Standard, so dass sich dieser DJ darauf verlassen muss, dass er seinen Notebook problemlos an das Mischpult (z.B. DJM-900NSX oder in der neueren Version DJM-900NSX2 alternativ dazu DJM-2000NSX und NSX2) mittels eines USB-Kabels anschliessen kann. Die beliebten Mischpulte werden dann als Soundkarte erkannt und können für die DJ-Software präzise (mit 4 Stereo-Kanälen) angesteuert werden. Zusätzlich sind fast alle Bedienelemente beliebig mittels MIDI-Mapping an die Software anpassbar.

Pioneer Mischpult (hier DJM 900 NXS2).

Ein Tango DJ wird schwerlich mehr als zwei Kanäle benötigen und die Verwendung des Mischpults ist zwar nett, aber nur dann interessant, wenn gleichzeitig andere Musikkanäle und Mikrofone zur Anwendung kommen sollen. Nichtsdestotrotz, ich persönlich mixe gerne von Hand, hasse Autocruise und steuere auch meine Player gerne mittels Hardware (Native-Instruments Kontrol X1). Als ich neulich die neuen Treiber mit meinem eigenen Mischpult ausprobierte, kam mir jedoch folgende Überlegung in den Sinn:
Um eine möglichst durchgängige Verarbeitungskette ohne zu viele Verluste durch Geräteübergabeschnittstellen zu erhalten, gibt es prinzipiell zwei Wege:

1. Eine möglichst kleine Gerätekette, sprich möglichst nur eine externe Soundkarte ohne zusätzliche Komponenten.
Hierbei wird das vom PC bereitgestellte digitale Signal einer D/A Wandlung unterzogen und sofort über Kabel an die Lautsprecher weitergegeben.
Dies vermeidet Qualitätsverluste durch analoge Technik und vielfältige A/D bzw. D/A Wandlungen.

2. Eine sinnvoll aufgebaute Gerätekette mit rein digitalen Signalwegen und einer finalen D/A-Wandlung im letzten Geräteglied.

Welche Komponenten sind in semiprofessionellen Beschallungsanlagen nun sinnvoll? Über den Einsatz eines Equalizers kann man sich sicher streiten, aber gerade dieser wurde jüngst für Tango-Djs empfohlen. Hier nicht nur zur Anpassung der Lautsprecher auf die Raumakustik, sondern auch zur Beeinflussung des Frequenzgangs in Abhängigkeit zum Tonmaterial (Schellack vs. Vinyl). Informationen dazu gibt es hier auf Igor´s Blog:

El Espejero Blog

Kleine Soundanlagen werden oft in einer Kombination von 4 Hauptlautsprechern und ggf. einem Subwoofer aufgebaut, hinzu kommen häufig noch Monitore für den DJ, die aber normalerweise bequem am Booth-Ausgang des Mischpults angeschlossen werden können (sollen). Die (heute zumeist aktiven) Lautsprecher können normalerweise einfach hintereinander geschaltet werden. Moderne Lautsprecher haben hierzu Ausgangsbuchsen. Einfacher und leichter zu kontrollieren ist hier jedoch die Verwendung einer Lautsprechermatrix, d.H. eines Gerätes, welche die Ausgangssignale aktiv an die einzelnen Boxen verteilt. Hiermit kann die Balance an einem Gerät zentral justiert werden und ggf. noch ein Limiter für die maximale Lautstärke gesetzt werden. Ich persönlich halte nichts von der Verwendung eines Kompressors.
Die von mir verwendeten Komponenten sind der grafische Equalizer Ultracurve Pro DEQ2496 von Behringer sowie die Lautsprechermatrix DCX2496 ebenfalls von Behringer. Beide Geräte arbeiten digital, bieten aber im Ein- und Ausgang A/D bzw. D/A Wandler mit 24bit und 96 kHz in Studioqualität. Zusätzlich können digitale Signale direkt mittels AES/EBU weitergegeben werden.
Bislang war es in der DJ-Branche üblich, Signale an das Mischpult analog einzuspeisen und diese dann vom Mischpult analog weiterzugeben. Mit modernen semiprofessionellen Komponenten wie den Mischpulten der Firma Pioneer hat sich dies jedoch geändert. Da das Mischpult eine eigene Soundkarte hat, erfolgt hier keine A/D Wandlung. Desgleichen liefert das Mischpult das Ausgangssignal digital über S/PDIF (optisch und kabelgebunden). Wohl wissend, dass S/PDIF nicht immer mit AES/EBU kompatibel ist, habe ich das einmal ausprobiert und die RCA Buchse (digital master out) mit der XLR-Eingangsbuchse (AES/EBU) meines Equalizers verbunden.

Digitale Input/Output Buchsen meines Pioneer DJM-900

 

Der Equalizer besitzt eine automatische Anpassung an das Format S/PDIF und hat das Eingabeformat anstandslos verarbeitet. Nach Verbindung des EQ mit der Matrix ebenfalls via AES/EBU erfolgt nun die einzige D/A Umwandlung in meiner Übertragungskette am Ausgang der Lautsprechermatrix.
Ich würde hier gerne berichten, dass sich damit der Sound der Anlage enorm verbessert hätte, ich glaube aber, dass die Freude meiner Ohren sehr stark subjektiv gefärbt ist. Einen Qualitätssprung habe ich allerdings festgestellt, nachdem ich vom analogen auf ein digitales Mischpult gewechselt hatte.
Nichtsdestotrotz habe ich jetzt ein gut funktionierendes Setup und kann mich zeitlich wieder der Hauptarbeit des DJ, nämlich der Pflege der Musiksammlung und Tanda-Konstruktion zuwenden.

Euer DJ Ricardo

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